Bittenfelder 

(Alte Sorten)


Syn. Bittenfelder Sämling
Es handelt sich um einen Zufallssämling, der auf Gemarkung Bittenfeld (Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg) entstanden sein soll; nach anderer Quelle ist es ein nach Bittenfeld eingeführter Sämling.
Schüttelreife: Ende Oktober bis Anfang November.
Verwertungsreife: Nach Zwischenlagerung (3-4 Wochen) von November bis April.
Polleneigenschaften: Gut
Standortansprüche: Im Neckarland verbreitete Mostapfelsorte, die für hohe Zucker- und Säuregehalte der Früchte günstige Wärmebedingungen und für reichliche Erntemengen mindestens mässig frische und fruchtbare Böden benötigt. Demgegenüber ist der Anspruch an die Bodendurchlüftung relativ gering, d. h., dass auch schwach wechselfeuchte, im Untergrund stauende oder tonige Böden nutzbar sind. Wie kaum eine andere Apfelsorte ist dieser Sämling im Holz frosthart (Samenspendersorte für Sämlingsunterlagen); ähnlich unempfindlich gegenüber Frost sind auch die Blüten. Die Früchte hängen sehr fest am Baum und lösen sich auch bei später Ernte nicht immer gut.
Baum: Der Wuchs ist in besonderer Weise eigentümlich: In den ersten Jahren nach der Pflanzung ist dieser schwach und zugleich hochstrebend, verstärkt sich dann stetig und führt schliesslich im 2. Jahrzehnt zu grossen und als Folge der sich wiederholenden natürlichen Fruchtbogenbildung auch zu breit ausladenden Kronen. Ein solch langsamer Kronenaufbau ist für einen wirtschaftlichen Mostapfelanbau wenig zweckmässig, zumal gleichlaufend dazu auch der Ertragsbeginn stark verzögert ist. Aus diesen Gründen dürfte trotz der aussergewöhnlich hohen Zucker- und Säuregehalte der Sorte 'Bittenfelder' ihr weiterer Anbau infrage gestellt sein. Für eine Mostapfelsorte sehr günstige Eigenschaften sind die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen, die allgemeine Robustheit und daraus resultierend die Langlebigkeit der Bäume.
Fruchtgrösse und Form: Klein; rundlich platt, mittelbauchig und verschiedentlich auch schief.
Farbe und Beschaffenheit der Schale: : Grünlichgelb bis zitronengelb, nur in Spuren vor allem um die Stielpartie orange bis rötlich gefärbt; rau, zahlreiche grob berostete, grosse Lentizellen, vereinzelt netzartig berostet, anfällig für Lentizellenröte; sehr fest und widerstandsfähig.
Kelch: Sehr klein, geschlossen.
Kelchgrube: Flach bis wenig tief, faltig, kleiner Rand. Stiel: Lang bis sehr lang, mitteldick bis dünn.
Stielgrube: Tief, eng, durchweg stark feinschuppig berostet, nicht rund, sondern sternförmig oder lang gestreckt.
Kernhaus: Klein; zwiebel- bis kreisförmig, Samenfächer schmal, Achse gefüllt; Samen unregelmässig verteilt.
Fruchtfleisch: Gelblichweiss; saftig, fest bis hart und kurz abbrechend, Leitbündel als gelbliche Punkte.
Geschmack: Herbfruchtig bis säuerlich, mit viel Körper.
Anbau und Markt: Wie bereits angedeutet, setzen die Erträge spät ein, sind bei ausgewachsenen Bäumen (nach 15 bis 20 Jahren) im langjährigen Mittel jedoch hoch, wenngleich von Jahr zu Jahr etwas schwankend. Das sehr günstige Zucker-Säure-Verhältnis von 9:1 bei artspezifisch weit überdurchschnittlichen Zucker- Lind Säuregehalten macht 'Bittenfelder' zu einer begehrten Verschnittsorte für Süssmost und Apfelwein. Hinzu kommen noch eine gute Transportfähigkeit und die Möglichkeit, die Äpfel spät anzuliefern bzw. zu verarbeiten und so die Keltersaison im Herbst zu entlasten bzw. in den Winter hinein zu verlängern.
Typen: Von 'Bittenfelder' sind keine Typen bekannt.

Bild und Text: "Apfelsorten 1975". Robert Silbereisen, Ulmer Verlag.

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